Zwischen Minimalismus und Ästhetik

Ein Besuch bei Kira Kim

Kira Kim Reform

Schon der Weg zum Treffpunkt lässt erahnen, dass sich in dieser Ecke, auf dieser Straße Berlins alles um die schönen Dinge dreht. Explizit jene des Interieurs und stilsicheren Einrichtens. Neben dem pittoresken Savignyplatz gelegen, besuchen wir Kira Kim. Langjährige Mitarbeiterin des dänischen Küchenstudios „Reform“ und im Bereich der Architektur und Ausstellungsdesigns zuhause.

Beim Betreten des zweiten Berliner Showrooms der Marke, fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass sich hier jemand mit Kiras gestalterischen Vorstellungen wohl fühlt. Gradliniges Design, hochwertig und ausgewählte Materialien treffen auf warme Töne mit farbigen Akzenten. Doch Kira lebt auch über die beruflichen Grenzen hinaus den unaufgeregten Purismus und zelebriert Design in ihrem Leben ganzheitlich.

 

Liebe Kira, was inspiriert dich?

Mich inspiriert die Arbeit mit Kreativen, aber auch der Austausch mit Familie und Freunden. Reisen, Fremde Länder, Kulturen, Essen. Das Wichtige für mich ist, dass es etwas Neues ist und mich emotional berührt und dass daraus eine neue Idee entspringt und ich Lust habe, selbst kreativ zu werden. Das kann ein Bild

Kira Kim Interview

sein, aber auch eine unkonventionelle Szenerie. Hauptsache, es berührt. Auch im Alltag finde ich Inspiration tatsächlich überall. Das kann auf dem Weg zur Arbeit sein oder auf dem Weg zur Schule. Oder zum Beispiel auch eine tolle Verpackung im Supermarkt, die mich anspricht.

 

Was ist deine persönliche neue Era?

Für mich gibt es nicht nur eine in meinem Leben, sondern mehrere. Die erste Große ist wahrscheinlich das Erwachsenwerden, der Umzug nach Berlin nach meinem Studium. Und dann kommen natürlich auch meine Kinder. Und meine berufliche Umorientierung.

Am Anfang meiner Berlin Zeit habe ich Berlin und das Kreative aufgesaugt, war viel unterwegs und habe es auch sehr genossen, mir Ausstellungen anzugucken, ins Museum zu gehen, neue Sachen zu entdecken. Ich bin in meiner Arbeit in einem klassischen Architekturbüro als Ausstellungs-Designerin auch wirklich aufgegangen. Mit Kindern änderte sich mein Leben allerdings grundsätzlich und man stellt seine Prioritäten um. In meinem Fall bedeutet das, dass ich weniger arbeite und dafür mehr Fokus auf Familie lege. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kreativität zu kurz kommt. Ich beschäftige mich immer noch sehr viel in meinem kreativen Umfeld und versuche in meiner Freizeit und auch bei der Arbeit immer noch viel aus den Bereichen Architektur und Design und Kunst aufzusaugen. Ich würde jedoch sagen, dass sich meine Kreativität verändert hat. Vorher war ich oft mutiger, habe viel mehr ausprobiert. Heutzutage ist es eher fokussierter, erwachsener.  

 

Was ist dir wichtig in Bezug auf gutes Design und Architektur?

Meine persönliche Ästhetik ist definitiv sehr reduziert. Ich liebe gedeckte Farben wie schwarz oder weiß und bevorzuge minimalistisches und reduziertes Design. In Bezug auf Architektur liebe ich gerade Linien, klassische Formen, da sie für mich Ordnung und Ruhe widerspiegeln, nicht ablenken, aber trotzdem ästhetisch sind. Das sieht man mir vielleicht auch an, wie ich mich kleide und ich mich in der Mode ausdrücke.

 

Wie können wir uns deinen kreativen Prozess vorstellen?

Ausgangspunkt in jedem kreativen Prozess oder in der Planung ist immer der Raum und der Mensch. Der erste Schritt ist auf jeden Fall, die Person kennenzulernen, den Menschen im Raum kennenzulernen und den Raum an sich. Natürlich auch, welche Gegebenheiten es gibt. Und dann kann es ein langer Prozess sein, in dem man verschiedene Varianten ausprobiert in Bezug auf Design, Material, auf Haptik, auf Oberflächen. Was passt zu dem Menschen? Womit möchte er sich umgeben? Braucht er eine warme Umgebung oder eine kühlere Atmosphäre? Und was möchte die Person damit ausdrücken? Oder ist es ein rein funktionales Objekt? Die eigene Ästhetik kann man durch Materialien, Oberflächen, Farben und Licht ausdrücken. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist essenziell. Wichtig ist, dass Material und Oberfläche in Kooperation mit dem Menschen stehen. Aber natürlich muss ein Raum, insbesondere die Küche, in gewissen Maßen auch funktional sein. Das heißt, ich sollte mich im Alltag nicht behindert fühlen, der Ablauf sollte reibungslos sein. So sollte sich eine Arbeitsoberfläche natürlich einerseits toll anfühlen und toll aussehen, andererseits muss sie aber auch funktional sein. Am Ende ist es ein kreativer Prozess, den man zusammen mit den Menschen durchlebt.

 

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Neben dem persönlichen Kontakt – welche Faktoren beeinflussen deine Arbeit sonst noch?

Ich glaube, heutzutage ist es unheimlich wichtig, über das Thema Nachhaltigkeit nachzudenken. In der Architektur und auch im Design. Und der Grundgedanke von Reform war ja tatsächlich auch, mit einer bestehenden Küche zu arbeiten und nur die Fronten auszutauschen und dementsprechend einer alten Küche einen neuen Look, ein neues Design zu verpassen. Und auch in der Architektur gibt es gerade ein großes Umdenken zum Thema Umnutzung.

Grundsätzlich beschäftige ich mich sehr mit dem Gedanken, wo Produkte herkommen und bin gewillt, mehr Geld auszugeben für ein Produkt, das nachhaltiger ist und mehr Qualität bietet. Das gilt natürlich nicht nur für meinen Beruf, sondern auch in meinem Privatleben – vor allem bei Produkten, die ich tägliche nutze, wie zum Beispiel Kleidung, Lebensmittel oder einen guten Kaffee.  

 

Wie ist denn dein Bezug zu Kaffee – hast du eine favorisierte Röstung oder eine bestimmte Art deinen Kaffee zu trinken?

Meine Eltern haben immer schwarzen Kaffee getrunken und der Geruch von schwarzen Kaffee erinnert mich definitiv an zu Hause. Ich selbst mochte ganz lange gar keinen Kaffee. Aber ich mochte immer schon den Geruch. Leider vertrage ich von Natur aus keine Laktose, schwarzer Kaffee war mir aber oft zu stark. Dementsprechend habe ich auch erst hier in Berlin angefangen, Kaffee mit Hafermilch zu trinken. Zur damaligen Zeit gab es noch nicht so viele Milchalternativen.

Am liebsten trinke ich Kaffee mit einer schokoladigen Note und nussigem Geschmack. Das passt dann perfekt zur Hafermilch. Daher ist mein Lieblingskaffee der ERA Kalledevarapura Estate aus Indien. Er ist ein ausgewogener Single Origin, was für mich als relativ späte Kaffeeeinsteigern perfekt ist und die Noten Schokolade, geröstete Mandel und Nougat treffen genau meinen Geschmack.

Und auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Der Kalledevarapura Estate stammt von Kaffeefarmern der Classic Synergie Gruppe. Bereits in fünfter Generation bauen sie Kaffee an und legen dabei großen Wert auf Nachhaltigkeit. So wird zum Beispiel auf organische Mittel zur Düngung zurückgegriffen. Außerdem gibt es für die Arbeitenden freien Wohnraum sowie für ihre Kinder kostenlose Ausbildung. Das ist für mich als Mutter besonders wichtig.

 

Welche Rolle spielt Kaffee in deinem Leben?

Kaffee spielt in meinem Leben eine große Rolle. Das war mir nicht immer so

Kira Kim Coffee Preparation

bewusst. Aber nach der Geburt von meinem zweiten Kind durfte ich aus gesundheitlichen Gründen

mehrere Monate kein Koffein trinken oder zu mir nehmen. Und erst da habe ich gemerkt, wie sehr mir der Kaffee gefehlt hat – als Ritual im Alltag, als Start in den Tag, als Moment des Erwachens.

Ich glaube, die Verbindung zwischen Kaffee und sich Zeit nehmen für Kunst oder andere kreative Parameter ist, dass man sich wirklich hinsetzt, Genuss und Ruhe schafft und sich nur in dem Moment mit sich oder auch mit dem Ort, an dem man sich befindet, beschäftigt. Kaffee heißt für mich definitiv sich einen Moment Zeit zu nehmen. Und zu reflektieren. Sich etwas anzugucken. Ob das jetzt in einem schönen Café ist, auf Reisen. Oder auch das Ende vom Wochenendfrühstück, um einfach darüber nachzudenken: „Was machen wir? Wo geht die Reise hin?“ Das ist für mich auf jeden Fall so ein Moment, den ich mit Kaffee in Verbindung bringe.

Und nicht nur das Kaffeetrinken auch das Zubereiten ist elementar für uns. Das Kaffeeaufbrühen – Bohnen abwiegen und mahlen und dann per Hand aufgießen - ist für uns zu Hause auch so ein kleiner kreativer Prozess, den wir dann morgens auch zu Hause zelebrieren.

Ich glaube, es gibt tatsächlich sehr viele Parallelen zwischen Architektur, Design und dem Prozess des Kaffee zubereiten. Man hat Parameter wie Milliliter, Gramm oder Brühzeit, die man befolgen muss. Das ist auch in der Architektur und im Design so, dass es Parameter gibt, die man nicht ganz außer Acht lassen kann. Aber ansonsten ist beides ein Prozess, in dem man auch frei sein kann, in dem man vielleicht hier und da mal etwas Neues ausprobiert und dadurch ändert sich direkt etwas am Geschmack.

 

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